Wenn Ihre Heizung gluckert, nicht richtig warm wird oder Sie das Gefühl haben, dass die Heizkörper nur lauwarm bleiben, ist meistens Luft im Spiel. Luft im Heizsystem behindert die Zirkulation des heißen Wassers, sodass die Heizfläche nicht ihre volle Leistung bringt. Das kostet unnötig Energie und Geld. Mit einer einfachen Entlüftung können Sie das Problem selbst beheben – und das in wenigen Minuten. In dieser Schritt-für-Schritt-Anleitung zeigen wir Ihnen, welches Werkzeug Sie im Baumarkt benötigen und wie Sie richtig vorgehen.

1. Warum ist Entlüften wichtig?
In einem geschlossenen Heizsystem sammelt sich mit der Zeit Luft an – zum Beispiel durch chemische Prozesse im Heizungswasser oder durch undichte Stellen. Diese Luftblasen steigen nach oben und setzen sich in den oberen Bereichen der Heizkörper fest. Die Folge: Das heiße Wasser kann nicht mehr ungehindert zirkulieren, der Heizkörper wird ungleichmäßig warm oder bleibt ganz kalt. Moderne Thermostate und Heizungsanlagen reagieren empfindlich auf solche Störungen. Ein nicht entlüfteter Heizkörper verbraucht bis zu 15 Prozent mehr Energie, um die gleiche Wärmeleistung zu erzielen. Das macht sich nicht nur im Geldbeutel bemerkbar (durchschnittlich 50–100 EUR Heizkosten pro Jahr), sondern belastet auch die Umwelt. Daher sollten Sie Ihre Heizkörper mindestens einmal jährlich vor der Heizperiode entlüften.
Ein weiterer Vorteil: Die Heizungsanlage läuft ruhiger und verschleißt weniger. Gluckernde Geräusche sind nicht nur nervig, sondern ein klares Zeichen für Luft im System. Wenn Sie also das nächste Mal ein Blubbern hören, ist es Zeit für die Entlüftung. Übrigens: Auch nach dem Befüllen der Heizung (etwa nach einer Reparatur) muss entlüftet werden.
2. Welches Werkzeug brauchen Sie?
Für die Entlüftung benötigen Sie nur wenige Utensilien, die Sie in jedem Baumarkt wie OBI, Hornbach oder Bauhaus für wenige Euro bekommen:
- Entlüftungsschlüssel (Vierkantschlüssel, meist 5×5 mm) – kostet 1–3 EUR. Manche Heizkörper haben einen Schlitz, dann brauchen Sie einen passenden Schraubendreher.
- Auffanggefäß (kleine Schüssel oder Becher) – etwa 1 EUR oder ein altes Marmeladenglas.
- Lappen oder Tuch – zum Aufwischen von Tropfwasser.
- Optional: Handschuhe – schützen vor scharfkantigen Heizkörperventilen und heißem Wasser.
Prüfen Sie vor dem Kauf, ob Ihr Heizkörper einen klassischen Vierkant-Entlüftungsnippel hat (meist oben vorne oder hinten). Bei älteren Modellen kann auch ein Schlitz oder ein Sechskant verbaut sein. Fragen Sie im Zweifel im Baumarkt oder nehmen Sie ein Foto mit. Zusätzlich sollten Sie den Systemdruck Ihrer Heizung kennen (am Manometer, meist 1,5–2 bar). Wenn der Druck nach der Entlüftung zu niedrig ist, müssen Sie später Wasser nachfüllen.

3. Schritt-für-Schritt-Anleitung
Stellen Sie sicher, dass die Heizungsanlage ausgeschaltet ist (am besten 20–30 Minuten vorher abdrehen, damit das Wasser abkühlt). Heißes Wasser könnte zu Verbrühungen führen und austretendes Wasser ist unangenehm heiß. Drehen Sie den Thermostatkopf auf die höchste Stufe (5), damit das Ventil vollständig geöffnet ist.
Suchen Sie das Entlüftungsventil: Es sitzt meist an der Seite oder oben am Heizkörper, oft verdeckt durch eine Kappe. Öffnen Sie die Kappe mit dem Entlüftungsschlüssel vorsichtig drehen Sie gegen den Uhrzeigersinn – nur etwa eine Viertelumdrehung, bis ein zischendes Geräusch zu hören ist. Halten Sie das Auffanggefäß darunter, denn es tritt zuerst etwas Wasser aus. Lassen Sie die Luft entweichen, bis ein gleichmäßiger Wasserstrahl ohne Blasen kommt. Dann drehen Sie das Ventil wieder zu (im Uhrzeigersinn). Ziehen Sie die Kappe wieder auf. Wiederholen Sie den Vorgang für alle Heizkörper im Haus, immer vom Erdgeschoss beginnend nach oben.
Typische Fehler: Zu fest zudrehen (Ventil kann brechen) oder das Ventil zu weit öffnen (Wasser spritzt). Wenn nach der Entlüftung gar kein Wasser kommt, könnte das Ventil verklemmt sein – dann versuchen Sie es mit etwas WD-40 oder rufen einen Fachmann. Ein weiterer Fehler: Die Heizung läuft während der Entlüftung – das führt zu viel Druck und das Wasser spritzt. Also immer vorher abstellen!
4. Nach der Entlüftung: Systemdruck prüfen und Wasser nachfüllen
Nachdem Sie alle Heizkörper entlüftet haben, ist der Druck im System meist etwas abgesunken. Schauen Sie auf das Manometer an Ihrer Heizungsanlage. Ideal ist ein Druck zwischen 1,5 und 2 bar. Liegt der Druck darunter, müssen Sie Wasser nachfüllen. Dazu schließen Sie den Heizungsvor- und Rücklauf (falls vorhanden), öffnen das Füllventil am Kessel und lassen langsam Wasser einlaufen, bis der Sollwert erreicht ist. Verwenden Sie dafür einen Gartenschlauch (¾ Zoll) und einen Füllschlauchanschluss – kostet zusammen ca. 10–15 EUR im Baumarkt. Beachten Sie: In älteren Anlagen kann das Nachfüllen eine Behandlung des Wassers mit Korrosionsschutzmitteln erfordern. Fragen Sie ggf. einen Fachbetrieb.
Nach dem Nachfüllen schalten Sie die Heizung wieder ein und lassen sie kurz laufen. Hören Sie erneut Gluckern? Dann ist noch Luft im System – wiederholen Sie die Entlüftung nach einigen Minuten. In der Regel reicht ein Durchgang. Wichtig: Nicht zu viel Druck aufbauen, sonst kann das Überdruckventil ansprechen.
Fazit
Das Entlüften von Heizkörpern ist eine einfache, kostengünstige Maßnahme, die jeder Mieter oder Eigentümer selbst durchführen kann. Mit nur wenigen Euro Werkzeug aus dem Baumarkt sparen Sie bares Geld und schonen die Umwelt, weil Ihre Heizung effizienter arbeitet. Vergessen Sie nicht, den Systemdruck nach der Entlüftung zu kontrollieren und gegebenenfalls Wasser nachzufüllen. Führen Sie die Entlüftung am besten jährlich vor der Heizsaison durch. Sollte trotzdem keine Besserung eintreten oder die Heizung weiterhin Probleme machen, ziehen Sie einen Fachmann hinzu – aber in 90% der Fälle löst das Entlüften das Problem. Also: Ran an den Schlüssel und los geht’s!








